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Kowloon Walled City - Feature

Kowloon Walled City: Reale Inspiration für fiktionale Dystopien

Einleitung

Die Kowloon Walled City in Hong Kong war eine, weitgehend selbstverwaltete, Stadtenklave mit mehr als 40.000 Bewohnern, die in über 350 miteinander verbundenen Hochhäusern lebten. Sie entstand ohne jegliche Aufsicht im Hinblick auf Architektur oder Ingenieurskunst und ohne Bedacht auf Gesundheits- und Sicherheitsaspekte.

Während sie existierte, galt die Kowloon Walled City als der am dichtesten besiedelte Ort auf dem ganzen Planeten. So viele Menschen in solch einen unglaublich kleinen Raum zu integrieren, bedeutete, dass der weitere Ausbau der Stadt in die Höhe eine absolute Notwendigkeit war. Dies verwandelte die “Stadt in der Stadt” über die Jahre in einen erstaunlich dichten vertikalen Slum.

“Es war mit nichts in Hong Kong vergleichbar: Eine Masse miteinander verbundener 12- und 14-stöckiger Gebäude, die eine einzige riesige Struktur bildeten, deren Fassade aus dem Licht von Hunderten von Wohnungen und Geschäften erleuchtete. Natürlich gab es keine administrative Aufsicht. Es war zu dicht, zu ad hoc, zu ungezügelt. All das war klar ersichtlich, bevor man überhaupt den Ort betreten hatte.” Greg Girard1

Wir werden diese erstaunliche städtebauliche Anomalie in diesem Artikel näher betrachten: Von den einzigartigen visuellen Erscheinungen ihrer Gebäude und ihrer Infrastruktur, über die vielfältigen (zuweilen beinahe anarchistischen) Lebensbedingungen ihrer Bewohner, bis hin zu den verschiedenen Kultur-Einflüssen, die die Kowloon Walled City auf zahlreiche dystopische Medienprodukte hatte und hat.

 

Kowloon Walled City - Night View - Greg Girard
Kowloon Walled City bei Nacht aus südwestlicher Richtung, 1987 by Greg Girard

 

Die Kowloon Walled City in der Realität

Bevor wir in die Tiefen der Kowloon Walled City in Form dystopischer Fiktion eintauchen, ist es wichtig, die Eckpunkte und grundlegenden Fakten ihrer Geschichte zu betrachten. Dies gilt auch für die gesellschaftlichen Entwicklungen in der Zeit ihres Bestehens und hinsichtlich der Details ihrer komplexen Infrastruktur. Ich werde versuchen, diese Aspekte in diesem Abschnitt des Artikels ausführlich zu behandeln.

Engagierte Menschen wie z.B. Greg Girard und Ian Lambot werden ebenfalls in diesem Bereich behandelt. Beide waren zur Zeit der Existenz der KWC anwesend und teilten ihre Erfahrungen mit der Welt in Form von erstaunlichen Sammlungen von Fotografien und eindrucksvollen Berichten aus erster Hand. Sie sind es, bei denen man sich für das allseits verfügbare mediale Erbe der inhärenten visuellen Eindrücke und gesellschaftlichen Implikationen der KWC bedanken kann. Diese Aspekte sind zugleich Eigenschaften, die zahlreiche Formen kultureller Medien stark beeinflusst haben.

 

Kowloon Walled City - Rooftop View - Greg Girard
Kowloon Walled City TV aerials with Kai Tak Airport in background, 1990 by Greg Girard

 

Historische Entwicklung

Die Kowloon Walled City begann ursprünglich als eine kleine militärische Festung, zurückgehend auf die chinesische Song-Dynastie, um das lokale Gebiet gegen Piraten zu verteidigen und die lokale Salz-Produktion zu überwachen. Während der Opiumkriege wurde das Fort eine Verteidigungsstellung gegen weitere britische Einfälle in das Gebiet der chinesischen Quing-Dynastie.2

Nach den Ereignissen von 1898 endete das Gebiet in einer Art Schwebezustand, in dem es teilweise unter der Kontrolle von China stand. Allerdings hatten weder China noch Großbritannien eine tatsächliche Kontrolle darüber, da die britische Regierung zustimmte, das Gebiet fast unberührt zu lassen. Die Behörden von Hong Kong versuchten in den 1930er Jahren einen großen Teil des ehemaligen Militär-Vorpostens abzureißen, wodurch die ehemals kleine Bevölkerung der ummauerten Zone zu dieser Zeit fast bei Null lag.3

 

Kowloon Walled City - 1898
Eingang zur militärischen Festung von Kowloon 1898, Wikipedia

 

Während der Besatzung im Zweiten Weltkrieg riss Japan die militärischen Einrichtungen weiter ab, um Ressourcen für den neuen nahegelegenen Flughafen zu sammeln. Nach der Kapitulation der Japaner bekräftigte China seinen Anspruch auf das Gebiet. Dies hatte zur Folge, dass Massen von Hausbesetzern in die Stadt eindrangen. Zwei Versuche, sie zu vertreiben, endeten in ausgedehnten städtischen Unruhen, welche drohten, einen diplomatischen Zwischenfall mit China zu verursachen. Die britische Regierung beschloss deshalb, die seltsame Autonomie des Gebiets schlicht zu tolerieren. Da die Kowloon Walled City somit weitgehend ohne rechtliche Ordnung existierte, war das Ergebnis ein isolierter, bröckelnder, aber zugleich wachsender Mini-Stadtstaat.4

Von diesem Zeitpunkt an wuchs die Bevölkerung exponentiell. In den frühen 1970er Jahren lebten bereits circa 10.000 Menschen im Gebiet der KWC. Sein weitgehend gesetzloser Status und die niedrigen Lebenshaltungskosten zogen alle möglichen Arten von Menschen an: Von Verbrechern und Träumern über Dissidenten und Flüchtlinge bis hin zu den Verzweifelten. Vom chinesischen Festland kommend, etablierte das kriminelle Syndikat der Triaden seine Herrschaft und seine Handlanger regierten wie Könige über die KWC, um die Bedürfnisse der oberen Gesellschaftsschichten Hong Kongs nach billigem Sex, Drogen und Glücksspielen zu stillen.5 Die nahezu absolute Herrschaft der Gangster endete, als Ende der 1970er Jahre mehr als 3000 Razzien der Polizei Hong Kongs die meisten von ihnen verhaftete oder vertrieb.6

 

 

Nach dem Aufstieg und Fall der Triaden behielt die Stadt ihren Status als unregierte Stadt und wuchs weiter. Die Bevölkerung vervielfachte sich zunächst auf etwa 35.000 Einwohner und stieg in den 1980er Jahren auf schätzungsweise 50.000 Menschen an. Damit war es der am dichtesten besiedelte Ort der Erde, wenn man seine Fläche von nur 0,027 km² betrachtet.7

Der niedrige Lebensstandard und die oft flagranten Gesetzesverstöße brachten sowohl Großbritannien als auch China in Verlegenheit, die beide nicht viel mit der Stadt und ihren Bewohnern zu tun haben wollten. Die Tatsache, dass die Kowloon Walled City in der Nähe des internationalen Flughafens Kai Tak gelegen war – als säße sie für die ganze Welt auf dem Präsentierteller – vergrößerte diese Verlegenheit für beide Seiten.

 

 

Die Situation änderte sich erneut, als die Übergabe Hongkongs von der britischen Verwaltung an chinesische Behörden gegen Ende des 20. Jahrhunderts näherrückte. Da keiner der beiden Regierungen dieses, durch ihren fast hundertjähriger Streit verursachte, unkontrollierte Areal besonders wertschätzte, wurde eine Vereinbarung zwischen Großbritannien und China getroffen: Die Bewohner wurden gezwungen, in andere öffentlichen Wohnbauprojekten in Hongkong zu siedeln und wurden zwischen 1993 und 1994 vertrieben. Hong Kong gab insgesamt 384 Millionen Dollar Entschädigung für die Einwohner und ansässigen Unternehmen aus. Die gesamte Kowloon Walled City wurde innerhalb kurzer Zeit abgerissen, nachdem die letzten Bewohner das Gebiet verlassen hatten.8

 

 

Heute befindet sich auf dem Gelände ein Stadtpark, der zu Ehren der Kowloon Walled City errichtet wurde. Zwar sind dort einige Artefakte aus der Stadt noch zu sehen, viele Elemente wurden jedoch wurden durch ästhetisch ansprechendere Exponate und Werke traditioneller chinesischer Architektur ersetzt.9 Die Präsenz der Kowloon Walled City und fast alles, was sie einmal darstellte und verkörperte, ist somit ausgelöscht worden.

 

 

Gesellschaft & Infrastruktur in der Kowloon Walled City

Der allgemeine Mangel an Unterstützung von außen – aufgrund politischer und gesellschaftlicher Isolation – führte dazu, dass sich die Kowloon Walled City quasi selbst tragen und erhalten musste. Mit einer wilden Mischung verschiedener Dienstleistungs-, Handels- und anderer Industriezweige, die sich mit den engen Lebensräumen ihrer Bewohner mischten, entwickelte sich die Kowloon Walled City zu einem weitgehend autarken städtischen Organismus. Eine ganze, sich beinahe autarke Stadt – gebaut in drei Dimensionen und weiter wachsend.

 

 

Diese erstaunliche Mischung aus Einfallsreichtum und Improvisation vertiefte jedoch zugleich die Isolation und Probleme der KWC. Öffentliche Dienstleistungen wie sanitäre Grundversorgung, öffentliche Sicherheit bzw. Kriminalitätsprävention waren Dinge, um die sich nur die einheimischen Zivilisten kümmerten. Es gab keine regelmäßige Müllsammlung, also warfen die meisten Leute ihren Unrat einfach aus ihren Fenstern. Heroinsucht und Dealerei, illegale Prostitution und andere Verbrechen waren weit verbreitet und die Bürger der KWC waren im Grunde auf sich allein gestellt.

“In die Stadt hineingelangt, fand man enge Gassen zwischen den Gebäuden mit tropfenden Rohren über ihnen, Abfluss in Rinnsteinen, Menschen, die bis zur Taille in bloßer Unterwäsche in winzigen Fabriken arbeiten, das dumpfe Geräusch von Metall das auf Metall schlägt, geschlachtete Tiere, unlizensierte Zahnärzte, eine Zwei-Mann-Fabrik die Gummipümpel produziert, Karren mit dampfendem Essen, alles zusammengemischt. Es fühlte sich unwirklich an (besonders in den frühen Tagen) und dennoch war es völlig normal für alle, die dort lebten und arbeiteten.” Greg Girard10

 

 

Trotz dieser Bedingungen waren Gewaltverbrechen in den meisten Fällen sogar niedriger als in anderen Stadtteilen Hongkongs. Ärzte und Unternehmer, die sich in Hong Kong die notwendigen Lizenzen nicht leisten konnten, machten sich auf den Weg und versuchten zu Wohlstand zu kommen.

Die harten Lebensbedingungen haben teilweise auch die Bindungen innerhalb der Gemeinschaft gestärkt. Ohne offizielle Stellen und Behörden, die sich um sie kümmerten, konnten sich die Bewohner oftmals nur auf ihre Familien und einander verlassen.

 

 

Ein Zusammenschluss von Anwohnern legte viele Streitigkeiten bei und es gab sogar einen inoffiziellen Kindergarten. Dinge wie diese sind auch Gründe dafür, warum einige der ehemaligen Bewohner der Kowloon Walled City – neben den negativen Aspekten, die sie gesehen und erlebt haben – sich weiterhin an die Loyalität und Freundschaft zwischen den ansässigen Menschen erinnern.11

 

 

In Bezug auf die Infrastruktur war die Stadt eine unübersichtliche Mischung aus improvisierter Architektur und ausgeklügelten wie räudigen Ingenieurskünsten, die notgedrungen keinerlei Rücksicht auf Vorschriften jeder Art legten. Überall hingen Wasser- und Abwasserrohre, elektrische Kabel baumelten herum und das Sonnenlicht – vor allem auf den unteren Ebenen und den Innenbereichen der KWC – war für die Bewohner auch bei Tag nahezu nicht vorhanden. Trotz der Verschmelzung der Hochhäuser zu monolithischen, miteinander verbundenen Labyrinthen, gelang es den Menschen, sich in der Kowloon Walled City ein Leben aufzubauen.12

 

 

Die Gemeinschaften arbeiteten auch viele Grundregeln für einander aus. Um beispielsweise Brände zu vermeiden, wurde das Verlegen der elektrischen Leitungen außerhalb der Gebäude forciert. Sie gruben auch über 75 Grundwasserbrunnen – Pumpen brachten das Wasser zunächst auf die Dächern, das Wasser wurde dann zu den verschiedenen Gebäuden durch ein kompliziertes System von Rohren geliefert. Die Rohre waren zwar ständig undicht und Wasser drang speziell in den unteren Ebenen überall ein, dennoch funktionierte das Gesamtsystem für die Bewohner zum größten Teil. Die Gemeinschaften veranlassten auch Höhenbeschränkungen für Gebäude, um Ärger mit dem nahegelegenen Flughafen zu vermeiden. Die Schaffung von Patrouillen von Freiwilligen, um eine gewisse Grundordnung in vielen Bereichen der KWC zu bewahren war ebenfalls ein Ergebnis der losen Zusammenarbeit.

“[…] Was man entdeckt, wenn man eine gewisse Zeit dort verbringt, ist, dass der Ort auch missverstanden wurde. Es ist eine Gemeinschaft, die funktioniert, sogar gut funktioniert hat,[…]” Greg Girard13

“Alles in meiner Architekturausbildung hatte mich gelehrt, dass die Existenz eines solchen Ortes nicht möglich sein sollte, aber hier war er – und allem Anschein nach, zumindest zu seinen eigenen Bedingungen, funktionierte er sehr gut.” Ian Lambot14

 

Kowloon Walled City - Rooftop Apartment - Greg Girard
Rooftop Apartment, 1991 by Greg Girard

 

Greg Girards und Ian Lambots Erkundungen

Wie wir sehen werden, inspirierten die einzigartigen Merkmale der Kowloon Walled City Künstler und Experten von Professionen jeder Art. Dies wäre ohne engagierte Menschen wie Greg Girard und Ian Lambot ganz anders gewesen. Beide haben die Stadt zwischen 1986 und 1992 unzählige Male besucht und ausführlich dokumentiert.

 

 

Sie kombinierten ihre Bemühungen, um gemeinsam die Texte und Fotos ihrer kooperativen Bücher “City of Darkness: Life In Kowloon Walled City” (zuerst veröffentlicht im April 1993, nur einen Monat nachdem der Abriss des KWC begann) und “City of Darkness Revisited” zu produzieren (die neue Ausgabe erschien 2014, inklusive neuer Essays, Karten, Zeichnungen, Fotografien und Interviews).

Diese Werke stellen die ausführlichste und gründlichste Aufzeichnung der realen Kowloon Walled City dar und dienten als visuelle Referenzen für kreative Künstler auf der ganzen Welt, um imaginäre urban-dystopische Themen, Umgebungen und Szenarien zu schaffen.

 

 

Im Jahr 1986 beschloss Greg Girard, die Kowloon Walled City in Farbe zu fotografieren. Auf dem Weg dorthin beschloss er, sich an die traditionelle dokumentarische Form der Erzählung zu halten: Nach unzähligen Besuchen wurde er von den Einwohnern akzeptiert und gewann das Vertrauen vieler Mitglieder der KWC-Gemeinschaft. So konnte er Zugang zu den privaten Quartieren, Betrieben und Bereichen des KWC erhalten, die sonst Außenstehenden verschlossen blieben.

Mehr über seine und Ian Lambots Erfahrungen in und um die Kowloon Walled City sowie verschiedene Zitate sind in Niina Pollaris englischsprachigen Artikel The Life and Death of an Impossible City von 2014 auf Kickstarter Stories zu finden, als Girad und Lambot die neue Ausgabe von “City of Darkness” via Crowdfunding finanzierten.

Übrigens hatte Greg Girard im Jahr 2012 ein interessantes Gespräch mit Nick van der Kolk von der Website 99% Invisible. Der Artikel und die Podcast-Sitzung (beides auf Englisch) sind hier zu finden.

 

Kowloon Walled City - Noodle Factory Desktop - Greg Girard
Desktop of a Noodle Factory inside the KWC, 1989 by Greg Girard

 

Weitere bemerkenswerte Aufnahmen und Erfahrungen

Im Netz lassen sich noch einige seltene Aufnahmen des Lebens in der Kowloon Walled City finden. Die folgende österreichische Dokumentation von 1988 ist ein gutes Beispiel. Sie bietet viele Ansichten von außen sowie innerhalb der KWC, Interviews mit Bewohnern und allgemeine Einblicke in den Alltag dieses faszinierenden Ortes:

 

 

1993 zeichnete eine Gruppe japanischer Architekten, Ingenieure und Stadtplaner mit dem Namen “Kowloon City Explorers” unter der Leitung des japanischen Kulturanthropologen Hiroaki Kani die Entwicklung der KWC von ihren Anfängen bis zu ihrer Zerstörung nach. Takayuki Suzuki hat sich mit ihnen zusammengetan und den Verleger Suzushi Kuwabara und andere dazu gebracht, ihr Buch “Daizukan Kyuryujyou” (“Groß illustrierte Kowloon-Stadt”) zu produzieren. Neben erstaunlichen Fotografien und Analysen in den jeweiligen Expertisen der involvierten Personen, enthielt es eine komplette Querschnittskarte (gezeichnet von Hitomi Terasawa) auf einer fünfseitigen Passage des Buchs. Ein Teil dieser Karte ist hier zu sehen:

 

Kowloon Walled City - Crosssection drawn by Hitomi Terasawa
Kowloon Walled City – Crosssection drawn by Hitomi Terasawa, via RioLeo.org

 

Für eine Perspektive, die sich stärker auf die architektonischen und technischen Aspekte des KWC konzentriert, ist die folgende zehnminütige Präsentation von Christopher Glebe auf Vimeo empfehlenswert:

 

 

Für diejenigen, die weiteren Erfahrungsberichten aus erster Hand interessiert sind: Das Reddit-AMA (“Ask-Me-Anything”) aus dem Jahr 2012 von einem Benutzer namens “Crypt0n1te” ist sehr empfehlenswert. Er lieferte genügend Indizienbeweise, um als authentisch eingestuft zu werden und beantwortete viele Fragen anderer Nutzer zu seiner Zeit in der KWC. Es ist eine gute Lektüre, wenn man mit der notorisch unbequemen Plattform von Reddit umgehen kann.

 

Kowloon Walled City - Temple underneath the KWC - Greg Girard
Daylight barely penetrates the metal grates over the KWC’s Tin Hau Temple which was built in 1951 on an alley off Lo Yan Street, 1989 by Greg Girard

 

Inspiration & Verwendung der Kowloon Walled City für dystopische Fiktion

Viele kulturelle Medien, die sich von der KWC haben inspirieren lassen, haben der Thematik ihren eigenen künstlerischen Stil einfließen lassen, andere sind fast schon dokumentarischer Natur. Die schiere Menge an Verbindungen zwischen der Kowloon Walled City und allen Arten von kreativen Künsten, sei es westlichen oder östlichen, analogen oder digitalen, passiven oder interaktiven, ist atemberaubend. Aufgrund des gleichnamigen Themas von Planet Dystopia konzentriert sich dieser Abschnitt des Artikels vor allem auf die kulturellen Medienwerke mit dystopischen Themen und Aspekten, welche mit dem KWC verbunden sind.

 

Literatur

Wann immer ein Hauch von Cyberpunk in der Luft ist, kann man sich sicher sein, dass William Gibson irgendwo in der Nähe ist. Seine Werke “Virtual Light” (1993) und “Idoru” (1996) – Teile seiner Bridge-Trilogie – sind nicht nur als klassische Werke des Subgenres bekannt, sondern stellen auch die Kowloon Walled City als einen der zentralen Punkte der Handlung dar.

Eine Gruppe von bunt zusammengewürfelten Außenseitern und Grenzgängern baut die KWC als gesetzloses, labyrinth-ähnliches Konstrukt in der virtuellen Realität neu auf. Konstruiert mithilfe von zufällig erscheinenden Algorithmen, um staatlichen Regulierungen und den Einflüssen der Megakonzerne zu entgehen, um seine Nutzer leben zu lassen “wie als das Netz noch neu war”15 – eine Verwendung, die die Ähnlichkeiten zu den Strukturen der realen KWC unterstreicht.

Gibson selbst machte kein Geheimnis daraus, dass er sich stark von der Kowloon Walled City inspirieren ließ, wie dieses bewusst kryptische Zitat Gibsons untermauert:

“Es gab da einen Platz in der Nähe eines Flughafens, Kowloon, als Hongkong nicht China war, aber vor langer Zeit passierte ein Fehler und dieser Ort, sehr klein, viele Leute, gehörte immer noch zu China. Also gab es dort kein Gesetz. Ein verbotener Ort. Und mehr und mehr Menschen drängten sich hinein; Sie bauten es auf, immer höher. Keine Regeln, es wurde nur gebaut, es lebten nur Menschen. Die Polizei geht dort nicht hin. Drogen und Huren und Glücksspiel. Aber die Menschen leben auch. Fabriken, Restaurants. Eine Stadt. Keine Gesetze.” William Gibson16

Obwohl sie grundsätzlich nicht futuristischer Natur sind, gibt es neuere literarische Ansätze zu diesem Thema, wie z.B. Nicholas Morines “Kowloon Walled City, 1984” (2016). Der Roman nutzt den KWC als Rahmen für eine Art retro-dystopische Mischung aus temporeichen Action-Elementen und detaillierten visuellen Ausdrücken. Scheinbar inspiriert von den Vibes der Actionfilme der 1980er Jahre und verschiedenen Aspekten des Hong Kong-Kinos, konzentriert sich Morines Werk auf die Kowloon Walled City als verborgenen, unmoralischen Ort, der mit allen Arten von zwielichtigen Menschen gefüllt ist – die Spiegelung der äußeren Umgebung mit ihren inneren Wirrungen. Ryan Graudins Roman “The Walled City” (2014) ist ähnlich gestaltet. Im Roman wird die KWC als semi-historischer Hintergrund für Handlung und Charakterentwicklungen genutzt.

 

Filme

Die einzigartigen visuellen Eindrücke sowie die gesellschaftlichen Implikationen der Kowloon Walled City inspirierten viele kreative Arbeiten, was ebenfalls für die Filmindustrie gilt. Unter den verschiedenen Hong Kong-Produktionen und internationalen Projekten gab es auch einige dystopische Filme, die sich stark an den oft harten geschilderten Lebensbedingungen und der Optik der KWC bedienten.

Eines der besten Beispiele ist die Adaption dieser Aspekte im Fantasy-Action-Krimi “Batman Begins” des britisch-amerikanischen Regisseurs Christopher Nolan. Nolan und sein Designteam wurden stark vom KWC inspiriert:

“[…]Von Hong Kong übernahmen wir die ‘Walled City of Kowloon’ als Basis für die ‘Narrows’, das ist auch solch ein ummauerter Slum. Wir haben die Elemente daraus entnommen, die es ermöglichen, alle sozioökonomischen Faktoren, die in Gotham einfließen, überdeutlich darstellen zu können[…]” Christopher Nolan17

Die Unterbringung des berüchtigten “Arkham Asylum” in den – passend formulierten – “Narrows” vermittelt eine Atmosphäre von Chaos und Gesetzlosigkeit in den dunklen und verfallenden Gassen und Gebäuden, prinzipiell ähnlich zu der öffentlichen Wahrnehmung der Kowloon Walled City.

Nolan und sein Produktionsteam bauten sogar ein maßstabsgetreues Modell der Gegend, was zu der folgenden Sequenz in der endgültigen Fassung des Films führte:

 

 

Eine weitere Filmproduktion, der Horror-Fantasy-Abenteuerfilm “Re-cycle” / “Gwai Wik” (2016) von Danny und Oxide Pang, zeigt ebenfalls eine Version der Kowloon Walled City, die vom Wechselspiel aus chaotischen Ausbau und stetem Verfall geprägt ist. Teilweise in einem verdrehten Paralleluniversum angesiedelt, in dem alle Arten verlassener Wesen und Dinge enden, schafft es der Film die chaotische Grundstimmung der improvisierten städtischen Umgebungen bis zum Äußersten zu überzeichnen.

 

Kowloon Walled City - Re-Cycle / Gwai Wik
KWC meets M.C. Escher, Scene from “Re-Cycle” / “Gwai Wik”, 2006 by the Pang Brothers / Matching Motion Pictures & Universe Entertainment, via MartialHorror Reviews

 

Animes & Mangas

Eines der frühesten Beispiele für den Einfluss der Kowloon Walled City auf japanische Mangas und Animes ist “Crying Freeman”, eine Manga-Serie von Kazuo Koike. Es enthält zahlreiche Verbindungen zur Kowloon Walled City, sowohl visuell als auch im Hinblick auf die Handlung. Basierend auf seinen Arbeiten veröffentlichte die Firma Toei Animation von 1988 bis 1994 eine Anime-OVA-Serie, die auch die KWC in ihrer dritten Episode mit dem Titel “Eternal Love” zeigt. Die Hauptcharaktere reisen darin zur KWC, um ihre Fähigkeiten im Schwertkampf zu verbessern und stellen Sie sich dem Kampf gegen verschiedene lokale Schläger.

 

Kowloon Walled City in Crying Freeman
The Kowloon Walled City in Kazuo Koike’s “Crying Freeman”, Ep. 3, “Eternal Love”, anime made by Toei Animation (1988-1994)

 

Die “Ghost in the Shell” -Reihe ist allerdings sicherlich als der Elefant im Raum in Bezug auf den Einfluss der KWC auf japanische Kreativkünste zu betrachten. Die Cyberpunk-Reihe begann im Jahr 1989 mit der ursprünglichen Manga-Serie, die 1995 in einen gleichnamigen Animationsfilm umgewandelt wurde.

Parallelen zur Realität der KWC sind klar ersichtlich, wie man beispielsweise in diesen Ausschnitten sieht:

 

 

Die Serie wagte sich über zahlreiche weitere Medienwerke weiter in die visuellen Stile und die Themengebiete gesellschaftlicher Implikationen von stark urbanisierten Umgebungen vor, wie z.B. die Serie und der Film “Ghost in the Shell: Stand Alone Complex” (2002-2005), die OVA-Serie “Ghost in the Shell: Arise” (2013-2016), sowie der gleichnamige Live-Action-Film von 2017, produziert von Steven Spielberg.

Mehr Informationen über den ersten “Ghost in the Shell” -Film aus dem Jahr 1995 und wie sich seine Macher Mamoro Oshii und Takeuchi Atsushi von der KWC und Hong Kong haben inspirieren lassen, lassen sich in diesem Blogbeitrag aus dem Jahr 2011, geschrieben von David auf RandomWire, finden. Der Beitrag enthält sehr interessante Vergleiche zwischen Szenen aus dem Film und Fotografien aus dem realen Hong Kong.

Dort sind auch verschiedene Zitate der Macher zu finden, wie das folgende Zitat von Atsushi, das einige Kernessenzen des Settings von “Ghost in the Shell” und von Cyberpunk selbst einfängt:

“Inmitten der Fülle von Schildern und der Hitze des unübersichtlichen Stadtraums sind die Straßen bemerkenswert chaotisch. Passanten, laute Rufe, Autos, alle möglichen Arten von mechanischen Geräuschen und menschliche ‘Lärm-Verschmutzung’, alles verschmilzt zu einem Ganzen, das sich durch die Ohren in das zentrale Nervensystem des Menschen hineinzwingt. Aber warum erliegen Menschen dieser ‘destruktiven’ Umwelt? Jetzt, wo das Künstliche das Natürliche ersetzt hat, sind Menschen wie Tiere in der Vergangenheit, denen die Eigenschaften des Menschseins als Ganzes genommen sind. Durch Stimulation visueller und auditiver Sinne direkt in den Strudel der Informationen gezogen, sind ihre Gefühle von nun an betäubt. Auf der anderen Seite passieren unzählige, unbestimmte und sich gegenseitig störende, Daten mit Lichtgeschwindigkeit durch Kabel. So baut die Informatik ihre Domäne unaufhörlich weiter aus.” Takeuchi Atsushi18

Die Manga-Serie “Blood+: Kowloon Nights” (2010) von Hirotaka Kisaragi ist ebenfalls ein gutes Beispiel für den Einfluss der KWC auf eine weitere populäre Manga- und Anime-Reihe. Die Haupthandlung in diesem Ableger von Blood+ dreht sich um die Untersuchung von Mordopfern, die blutleer in der verlassenen Kowloon Walled City gefunden wurden.19

Außerdem hat Yu Wing Leung, auch bekannt als Yu-Yi, eine Manga-Serie namens “City of Darkness” (2010-2011) geschaffen. Die Serie spielt in der Kowloon Walled City und deckt den Kampf der Hauptcharaktere mit dem organisierten Verbrechen ab. Yu-Yi selbst ging Anfang der 1980er Jahre als Kind in eine Schule in der Nähe der KWC und wagte sich gelegentlich in ihre dunklen Gassen. Basierend auf seinen Kindheitserinnerungen, seiner Faszination für Triadenbanden und inspiriert von den Werken von Greg Girard und Ian Lambot schuf er seine eigene Version von fiktiven Abenteuern, die auf dem Areal basieren.20

 

Videospiele

Das dystopische Adventure-Spiel “Kowloon’s Gate” (1997, Sony Music Entertainment Japan, PlayStation) zeigt die Kowloon Walled City in ihrer Handlung als Hauptkulisse: Die vormals zerstörte KWC taucht plötzlich im modernen Hongkong wieder auf und die Spieler müssen in das Gebiet eindringe, um die Bedeutung dieses mysteriösen Ereignisses zu entschlüsseln.

Mit seinem ziemlich einzigartigen und Cyberpunk-inspirierten visuellen Stil sowie interessanten Gameplay-Möglichkeiten hat das Spiel über die Jahrzehnte eine starke Fangemeinde aufgebaut21 jedoch schaffte es das Werk – wie leider so viele Spielen aus dem Land der aufgehenden Sonne – nie auf westliche Märkte zu kommen. Ingame-Material des originalen “Kowloon’s Gate”-Spieles ist hier zu sehen:

 

 

Ende 2017, zwanzig Jahre nach der Veröffentlichung des originalen PSX-Adventure-Spiels, wurde “Kowloons Gate VR: Suzaku” (Jetman & Sony Music Entertainment, PlayStation 4) im PlayStation Network in Japan veröffentlicht.

Dank stereoskopischem Sound und dem PlayStation VR-Headset können die Spieler nun wieder durch die engen Gassen der Cyberpunk-Version der Kowloon Walled City laufen – diesmal auch gleich in HD. Man mag sich selbst davon überzeugen:

 

 

Ein weiteres gutes Beispiel für eine dystopische Hongkong-Umgebung, inspiriert von der Ästhetik der Kowloon Walled City, ist “Shadowrun: Hong Kong” (2015, Harebrained Schemes, PC / Mac OSX / Linux). In dem gleichnamigen Cyberpunk-Universum von Shadowrun angesiedelt, hat das KWC ein futuristisches Revival in Form einer überfüllten, kriminellen Rollenspiel-Version des Gebiets in dem Spieler zahlreiche Aufträge im Jahr 2056 zu erfüllen hat.

 

 

Ernsthafte Cyberpunk-Fans sollten die Videospielserie “Deus Ex” bereits kennen. Der neueste Ableger der Serie “Deus Ex: Mankind Divided” (2016, Square Enix, PC / PlayStation 4 / Xbox One / Linux) ist stark von den visuellen Konzepten der KWC inspiriert worden22: Der sogenannte “Útulek-Komplex” / die “Útulek-Station”, ingame auch “Golem-City” genannt, ist eine 2027 gegründete, ummauerte und geschlossene Stadt am Rande von Prag, Tschechische Republik.

Zunächst als vorübergehende Unterkunft für die Prager Arbeiterklasse gedacht, verwandelte sich der Komplex schnell in ein Ghetto für mechanisch veränderte / augmentierte Menschen. Alle undokumentierten Augmentierten werden in der Golem City isoliert und dazu gezwungen, dort zu leben – getrennt von der nicht veränderten Bevölkerung und unter ständiger Angst vor Repressionen von Regierungen und Unternehmen.23

 

 

In “Phantasmal” (2016, Eyemobi, PC) wagt sich der Spieler in die Kowloon Walled City am kurz vor ihrem Abriss. Auf der Suche nach einer Tante, die eine Drogenklinik eingerichtet hat, um den Süchtigen der Stadt zu helfen, fallen Spieler durch den Boden ihrer Wohnung in die unzähligen Schichten der Stadt aus Beton, Holz, Stahl und Ziegeln. Das Spiel ist ein prozedural erzeugtes Horror-Spiel, das bedeutet, dass die Szenerie jedes Mal, wenn ein neues Spiel begonnen wird, zufällig neu generiert wird – eine Technik, die für einen so dunklen, düsteren und labyrinthischen Ort wie die Kowloon Walled City durchaus Sinn ergibt.

Einige Impressionen aus “Phantasmal” gibt es hier:

 

 

Weitere Spiele, welche die Kowloon Walled City behandeln, dabei jedoch nur ein paar dystopische Elemente für ihre Handlung und / oder die Umgebung ausborgen24, sind z.B.:

  • “Final Fight 2” (1993, Capcom, SNES), ein klassisches Side-Scrolling-Beat’em-up-Spiel, das einige auf Hong Kong basierende Level beinhaltet und eines, das speziell den KWC visualisiert.
  • “Ghost in the Shell” (1997, Sony Computer Entertainment / THQ, PlayStation), ein 3rd-Person-Shooter basierend auf der beliebten Manga- und Anime-Reihe, welche im obigen Abschnitt bereits erwähnt wurde.
  • “Shenmue II” (2001/2002, Sega, Sega Dreamcast & Xbox), ein Open-World-Action-Adventure-Spiel, mit der Kowloon Walled City als Hauptkulisse für eine kontemporäre Handlung die sich um Rache dreht.
  • “Bujingai” (2003, Taito / RED Entertainment, PlayStation 2), ein 3rd-Person Beat’em-Up / Hack&Slash-Spiel, das die dunklen Gassen des KWC als Schlachtfeld für die Spieler nutzt.
  • “Stranglehold” (2007, Midway, PC/PS3/XBOX), ein 3rd-Person-Shooter, der stark von der (Neo-)Noir-Spieleserie “Max Payne” von Remedy inspiriert wurde. Es beinhaltet Kapitel, das sich den berühmten Verbindungen zwischen der KWC und Triad-Gang-Aktivitäten widmet.
  • “Wet” (2009, Bethesda Softworks, PlayStation 3/Xbox 360), ein 3rd-Person-Shooter, welches ebenfalls die Verbindungen zwischen der KWC und asiatischen Verbrecher-Syndikaten beleuchtet.
  • “Call of Duty: Black Ops” (2010, Activision, PC/Xbox 360/PlayStation 3/Wii), ein Spiel aus der berühmten 1st-Person-Shooter-Serie “Call of Duty” beinhaltet eine ganze Mission im Areal des KWC, inklusive verschiedener Schießereien auf den Dächern der miteinander verbundenen Hochhäuser.
  • 光輝歲月 / “Glorious Years” (2015, Lakoo, iOS/Android), ein Rollenspiel, das in den 1980er Jahren spielt und Szenen in der KWC und Hong Kong im Allgemeinen zeigt.

 

Kowloon Walled City - Rooftop - Greg Girard
Watching aircraft land at Kai Tak Airport from Kowloon Walled City rooftop, 1990 by Greg Girard

 

Fazit

Die Kowloon Walled City fasziniert nach wie vor Menschen auf der ganzen Welt. Auch Jahrzehnte nach dem Abriss der Stadt und ihrem Verschwinden aus der Landschaft Hong Kongs bleibt die Faszination erhalten. Die vielfältigen und äußerst unterschiedlichen Lebensbedingungen, die die Stadt ihren Bewohnern bot, und die zuweilen bizarre Infrastruktur inspirieren die akademische und kreative Welt gleichermaßen – von Architekten, Soziologen und Stadtwissenschaftlern bis hin zu kreativen Künstlern und Medienanalysten.

Die visuellen Eindrücke der Kowloon Walled City beeinflussen Handlungen, Stile und Themen in verschiedenen fiktionalen und nichtfiktionalen Werken. In Anbetracht dieser Aspekte und der ungebremsten Popularität urban-dystopischer Szenarien fanden vor allem die kulturellen Medien in diesem ehemals gemiedenen und geächteten Gebiet von Hong Kong eine stets willige Muse.

Diese Faszination hat jedoch auch ihren Preis für die Rezeption der Kowloon Walled City: Die zahlreichen Mythen, Gerüchte und Übertreibungen, die mit der KWC verbunden sind, erschweren das Navigieren durch Fakten und Fiktionen zugunsten mitreißender Handlungen und Werke. Die Wellen an medialen Hypes um futuristisch-dystopische Szenarien verstärken dieses Spannungsverhältnis.

Zugleich steht die einzigartige Geschichte und die Bedingungen der Kowloon Walled City auch als Beweis dafür, dass einige der verschiedenen fiktiven Zukunftsvisionen, die wir auf uns einwirken lassen, bereits gebaut und in ihnen gelebt wurde. Es ist einserseits verständlich, dass die negativen Seiten der KWC eine gute Quelle für medien-induzierte Schaudergeschichten und apokalyptischen Ansichten über die fortschreitende Verstädterung bieten. Andererseits ist die Kowloon Walled City auch ein gutes Beispiel dafür, dass selbst in einer “Stadt der Dunkelheit” noch Licht zu finden ist.

JHS

 

Nachtrag: Ich möchte Greg Girard an dieser Stelle persönlich danken – nicht nur für seine Erlaubnis, viele seiner Bilder zu verwenden, sondern vor allem für die freundliche Email-Konversation, seine Leidenschaft für die KWC und sein Interesse und Wissen im Bereich der dystopischen Fiktion. Vielen Dank, Greg!

 

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  1. Zitat von Greg Girard aus Niina Pollari’s “The Life and Death of an Impossible City”, Kickstarter Stories, 2014. Übersetzt von JHS / Planet Dystopia.
  2. Cf. Lara Day & Diana Jou: Kowloon Walled City. WSJ Timeline Project, 2016
  3. Vgl. Wikipedia: Kowloon Walled City, History, Urban Settlement. Wikipedia.com, 2017
  4. Vgl. Fionnuala McHugh: How Kowloon Walled City survived attempts to knock it down for almost a century. Post Magazine / SCMP, 2014
  5. Vgl. Kate Schneider: Kowloon Walled City was a gangsters paradise that shunned rules. News.com.au, 2016
  6. Cf. Gwulo: Old Hong Kong. Gwulo.com, 2014
  7. Vgl. Nick Routley: Inside Hong Kong’s chaotic and lawless Kowloon Walled City. BusinessInsider.de, 2017
  8. Vgl. William O’Connor: Lost Masterpieces – The Lost Chinese City Police Feared to Enter. TheDailyBeast.com, 2016
  9. Vgl. Hong Kong Leisure and Cultural Services Department: Kowloon Walled City Park. LCSD.gov.hk, 2014
  10. Zitat von Greg Girard aus Niina Pollari’s “The Life and Death of an Impossible City”, Kickstarter Stories, 2014. Übersetzt von JHS / Planet Dystopia.
  11. Vgl. John Carney: Kowloon Walled City: Life in the City of Darkness. SCMP.com, 2013
  12. Vgl. Nick van der Kolk: 99PI – Ep. 66 – Kowloon Walled City. 99percentinvisible.org, 2012
  13. Zitat von Greg Girard aus Charlotte Harding’s: The Lost Labyrinths of Kowloon Walled City. British Journal of Photography, 2015. Übersetzt von JHS / Planet Dystopia
  14. Zitat von Ian Lambot aus Niina Pollari’s “The Life and Death of an Impossible City”, Kickstarter Stories, 2014. Übersetzt von JHS / Planet Dystopia
  15. William Gibson: Idoru. Viking Press, 1996, p. 221. Übersetzt von JHS / Planet Dystopia.
  16. William Gibson: Idoru. Viking Press, 1996, o.S. Übersetzt von JHS / Planet Dystopia
  17. Zitat von Christopher Nolan über seine Inspiration für das Aussehen von Gotham City, aus: Christopher Nolan on Batman Begins, Interview with ComingSoon.net/SuperheroHype.com, 2005. Übersetzt von JHS / Planet Dystopia
  18. Nozaki, Tohru et. al. The Analysis of Ghost in the Shell. Tokyo: Kodansha Young Magazine, 1995. o.S. Übersetzt von JHS / Planet Dystopia.
  19. Vgl. Snow Wildsmith: Review Blood+ Kowloon Nights. BookReporter.com, 2012
  20. Vgl. Ian Lambot: Kowloon Walled City in Popular Culture. CityofDarkness.co.uk, 2017
  21. Vgl. Bryan Crimmins:  Kowloon’s Gate. HardcoreGaming101, 2017
  22. Vgl. Paul Davies: The Art of Deus Ex Universe. Titan Books, 2016, o.S.
  23. Vgl. Deus Ex Wiki: Útulek Complex. Wikia.com, 2017
  24. Eddie Lau: Kowloon Walled City Games. Hong Kong in video games Blog, 2016

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