Smart Devices Big Brothers

Big Brother im Wohnzimmer? Alexa, Cortana, Siri & Co – Vernetzte Hausgeräte

Einleitung

Vernetzte Hausgeräte (“Smart Home Devices”) gehören zu den größten technologischen Verbrauchertrends im Jahr 2018. Insbesondere “Smart Speakers”, mit dem Internet verbundene Lautsprecher, nehmen hierbei eine Vorreiterrolle ein. Diese massiv vernetzten und von vermeintlich von Künstlicher Intelligenz (KI) unterstützten Geräte werden von globalen Megakonzernen massiv gepusht und finden derzeit ihren Weg in die Häuser zahlreicher Menschen. Entwickelt, um die Lücke zwischen kleinen Handys oder Tablets und klassischen Laptops und PCs nicht nur zu schließen, sondern gar zu ignorieren, basieren diese Geräte auf der Idee, dass Benutzer bequem zu Hause Sprachbefehle oder Gesten verwenden können, um im Internet zu suchen & zu surfen, bestimmte Musik abzuspielen, online zu bestellen oder weitere vernetzte Geräte im Haushalt zu steuern, etc.

In diesem Artikel werfen wir gemeinsam einen Blick auf die spezifischen Merkmale dieser Geräte, decken das Potenzial für den Missbrauch der betroffenen Daten sowie mögliche Implikationen für zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen sowie Parallelen zu dystopischen Fiktionen auf.  Falls ihr eigene Ansichten und Erfahrungen in Bezug auf vernetzte bzw. “smarte” Haushaltsgeräte hinzufügen oder darüber diskutieren möchtet, steht euch natürlich die Kommentarfunktion unter dem Artikel offen.

Smart Speakers, vernetzte Hausgeräte & Ihre Eigenschaften

Der aktuelle Markt für vernetzte Hausgeräte im Bereich Smart Speakers (Stand Januar 2018) wird von den Entwicklern KI-gestützter Sprachanalyse-Software, nämlich Amazon, Apple, Google und Microsoft dominiert. Vor allem Amazon (Alexa) hat den Privatkundenmarkt mit seiner Amazon Echo-Lautsprecherfamilie und den integrierten Funktionen des Amazon-Shops und anderer damit verbundener Dienstleistungen aufgemischt. Auch Apple (Siri) hat – neben den mobilen Anwendungen von Siri auf Smartphones – durch die neue “Apple HomePod” Hardware einen Fuß in der Tür dieses Marktsegments, während Google (Google Assistant) die eigene “Google Home” Produktfamilie etablieren will und ohnehin die mobile Sprachsuche auf vielen Smartphones über das eigene Android OS beherrscht. Es gibt auch Produkte von Drittanbietern anderer Unternehmen, welche die Software der oben genannten Firmen auf ihrer eigenen Hardware verwenden: Harman “Harman Kardon Invoke” (Microsoft Cortana), Sonos “Sonos One” (Amazon Alexa & Google Assistant), Sonys “LF-S50G” (Google Assistant), JBLs “JBL Link “(Google Assistant).1

Die neue Generation dieser Form von vernetzten Haushaltsgeräten hat eine interessante und teilweise fragwürdige Liste von Eigenschaften und Fähigkeiten. Sehen wir uns einige dieser erweiterten Funktionen genauer an:

(Individuelle) Spracherkennung

Die Fähigkeit, Sprachbefehle zum Steuern der Geräte und zum Auslösen bestimmter Aktionen zu verwenden, ist das Hauptmerkmal dieser Art von Hardware. Im Hinblick auf die Erkennung von Benutzern wurden jedoch große Fortschritte erzielt und viele Geräte können einzelne Benutzer anhand ihrer Stimme identifizieren und spezifische Profile, die ihnen zugeordnet werden, laden und speichern. Content- und Service-Provider können somit gezielt Konsumenten ansprechen und versuchen, auf ihre persönlichen Bedürfnisse und Wünsche einzugehen und zugleich weitere Verbraucherdaten sammeln.

Ein weiteres Merkmal, das mit der Spracherkennung zusammenhängt, umfasst übrigens die fast in Echtzeit ablaufende Übersetzungsfähigkeit mancher Geräte. Ein Feature, auf das insbesondere Google besonders viel Wert legt, um seinen eigenen plattformunabhängigen “Google Translate”-Dienst weiter ausbauen zu können und nützliche Daten dafür zu sammeln.

Kabelloses raumübergreifendes Hören & Senden

Viele der neuen Smart-Geräte können kabellos mit mehreren Mikrofonen und Lautsprechern über mehrere Räume hinweg verbunden werden. Es ist Sache des einzelnen Benutzers, die Hardware nach Belieben einzurichten. Von der Küche und dem Wohnzimmer bis zum Schlafzimmer oder sogar dem Gartenhaus und dem Kellergewölbe – es liegt am jeweiligen Nutzer selbst, zu entscheiden, wo die Geräte platziert werden (solange sie in Reichweite des gleichen WLAN-Signals sind, funktioniert es). Die Idee dahinter ist, dass Benutzer ihre digitalen Diener nicht nur in einem einzigen Raum wie in der ersten Hardware-Generation, sondern quer durch ihren Haushalt nutzen können, um auf Dienste und das Internet zugreifen zu können, ohne anderweitige Hardware wie Smartphones in Anspruch nehmen zu müssen.

Die Möglichkeit, mehreren Benutzern in verschiedenen Räumen die Kontrolle über die Funktionen des vernetzten Gerätes zu geben, indem nur ein Basisgerät verwendet werden muss, unterstreicht diesen Ansatz. Auf der anderen Seite profitieren zugleich die Unternehmen von den erweiterten wertvollen Eingabedaten. Sie erfahren deutlich mehr über bestimmte Haushaltsmitglieder in verschiedenen Situationen des alltäglichen Lebens und können daher detailliertere Profile einzelner Nutzer erfassen.

Gesten-Kontrolle / Kamera-Ergänzungen

Die Fähigkeit, die neuen vernetzten Hausgeräte mit anderen Hightech-Produkten im Haushalt zu kombinieren und zu verbinden, war seit ihrer Markteinführung ein bestimmendes Thema für Smart Speakers / intelligente Lautsprecher. Die Möglichkeit, diese mit bestimmten Kameratypen in Räumen nach Wahl des Besitzers zu kombinieren, gibt den Nutzern nun u.a. die Möglichkeit, Teile ihrer Funktionen auch per Handgesten steuern können. Dies wird angeboten und beworben als eine bequeme Möglichkeit für Leute, Grundfunktionen zu benutzen, ohne gar ein einzelnes Wort sprechen zu müssen.

Übrigens, einige Geräte bieten sogar die Kompatibilität mit eigenen privaten Sicherheitskameras und angeschlossenen Sicherheits-Netzwerken an.

Dystopische Aspekte vernetzter Hausgeräte

Die obige Liste an Funktionen und Fähigkeiten der neuen Generation vernetzter Hausgeräte und intelligenter Lautsprecher sehen aus wie der feuchte Traum eines totalitären Geheimdienstes. Die Fähigkeit, alles was sich im Heim bestimmter Menschen abspielt, beobachten und mithören zu können, war schon immer ein wichtiger Bestandteil von Kontroll- und Überwachungsphantasien verschiedener Gruppierungen und derjenigen, die vor ihnen warnen. Dies ist zugleich der Grund, warum ich eine Szene aus der Filmadaption von George Orwells “1984” als Hauptbild für diesen Artikel ausgewählt habe – um die Parallelen zu einer der bekanntesten dystopischen Fiktionen zu illustrieren.

Die Realität scheint jedoch noch verrückter als die Fiktion: Man muss die meisten Menschen nicht mehr aktiv durch (er)drückende Gesetze und Regulierungen “überzeugen”, sich Überwachungsmaßnahmen zu unterwerfen. Die fiktiven Big-Brother-Screens von “1984” sind allgegenwärtige Installationen, die von einer totalitären Regierung reguliert und kontrolliert werden. In unserer Realität sind die Leute hingegen bereit, voller Freude Mikrofone und Kameras überall in ihrem Haus zu platzieren – nur aus Gründen der Bequemlichkeit und aufgrund ihrer Gefolgschaft zu Marken, Verbrauchertrends und schlicht um zu zeigen, dass sie die neuesten Gadgets besitzen. Die Nutzung ist, anders als in der fiktiven Vorlage, nicht obligatorisch oder von oben verordnet. Mit zunehmendem Zeit- und Technologiefortschritt steigt jedoch der soziale Druck, derlei vernetzte Geräte zu verwenden oder man ist schnell im technologischen Abseits und gerät ins Hintertreffen.

Natürlich haben wir derzeit keine absolute, global dominierende Autorität oder Institution (zumindest keine, die wir kennen), die die Fähigkeit hat, all diese miteinander verbundenen Geräte zu abzuhören und zu steuern. Die Datenströme von Millionen von Menschen, voll alltäglicher Gespräche, Suchanfragen und aller Arten von privaten Daten fließen direkt in die Daten-Tresore der globalen Konzerne. Dort liegen sie, still im Hintergrund und werden für eine Vielzahl von Anwendungen und Einsatzzwecken analysiert und weiter verarbeitet.

Dies bedeutet nicht unumgänglich, dass ihre Verwendung zwangsläufig zu bösartigen Aktivitäten führen muss. Am Ende dreht sich schließlich für die Unternehmen alles ums Geld. Ihr Fokus liegt eher auf der Nutzung all dieser Massendaten, um personalisiertes Marketing zu erleichtern und / oder ihre datenhungrige Forschung im Bereich der Künstlichen Intelligenzen (KIs) voranzutreiben. Es gibt jedoch keine Möglichkeit zu wissen, wie diese Berge von Daten in der Zukunft gehandhabt werden, wie sicher sie tatsächlich sind und wer, aus welchen Gründen auch immer, Zugang dazu haben wird. In einer Welt, in der alle Arten von unsicherer Hardware voller Lücken existieren